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Kindesmissbrauch im Internet – Studie bestätigt Handlungsbedarf

Fotos und Videos, die Kindesmissbrauch zeigen, werden in Deutschland vermehrt über das World Wide Web verbreitet. Gleichzeitig suchen viele der deutschsprachigen Konsumenten den direkten Kontakt zu Kindern über das Internet. Diese und weitere alarmierende Fakten ergab nun eine Studie einer Kinderschutzorganisation.

Ob Fotos und Videos ansehen oder die direkte Kontaktaufnahme: Missbrauch über das Internet betrifft Kinder aller Altersklassen.

In der empirischen Studie der finnischen Kinderschutzorganisation Suojellaan Lapsia Protect Children wurden 21 Sprachgruppen untersucht. Ihr Ziel: Jede Form von sexueller Gewalt gegenüber Kindern zu unterbinden. Im Rahmen dieser Studie wurden mehr als 22.000 Personen im Dark Web identifiziert, die anonym nach ihren Beweggründen und Präferenzen zum Konsum von Child Sexual Abuse Material (CSAM), übersetzt “Inhalte mit Kindesmissbrauch im Darknet”, befragt worden sind. Die wichtigsten Ergebnisse spiegeln vor allem eines wider: alarmierende Fakten!

 

Kindesmissbrauch im Internet – erschreckende Zahlen

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Befragung von deutschsprachigen CSAM-Nutzern ist die hohe Zahl der Personen, die direkten Kontakt mit Kindern suchten: 49 Prozent von ihnen nahmen zumindest zeitweise direkten Kontakt mit einem Kind über das Internet auf. Das sind 11 Prozent mehr als bei den Befragten aus den anderen Sprachgruppen. 70 Prozent der Personen, die in der Studie Auskunft über ihre Motive gaben, waren unter 18 Jahre alt, als sie zum ersten Mal auf der Suche nach CSAM-Content im Web unterwegs waren, 41 Prozent waren sogar jünger als 13 Jahre.

 Screenshot ins Deutsche übersetzt aus der Studie: Suojellaan Lapsia, Protect Children: German speaking child sexual abuse material users on the Dark Web, März 2023, Seite 6. 

Unter den Bildern, Videos und Livestreams war die sexuelle Gewalt an Mädchen im Alter von 4 bis 13 Jahren der mit 40 Prozent am häufigsten aufgesuchte Content. Dem folgen 24 Prozent mit Jungen in derselben Altersgruppe, 23 Prozent Content mit sadistischem Inhalt und zu 9 Prozent Content mit sexueller Gewalt an Kleinkindern und Säuglingen unter vier Jahren. 4 Prozent der genutzten Inhalte betreffen andere illegale Gewaltszenen. 54 Prozent der deutschsprachigen Täter befinden sich zudem im temporären oder regelmäßigen Kontakt mit anderen Tätern, um illegalen Online-Content auszutauschen. Einige der Befragten betonten auch den leichten Zugang zu CSAM über Internet-Suchmaschinen und über die persönliche Kommunikation auf verschlüsselten Applikationen einschließlich WhatsApp.

Screenshot ins Deutsche übersetzt aus der Studie: Suojellaan Lapsia, Protect Children: German speaking child sexual abuse material users on the Dark Web, März 2023, Seite 7.

 

Kindesmissbrauch im Internet unterbinden – strengere Gesetzgebung erforderlich

Die Studienergebnisse bestätigen die Verantwortlichen von Suojellaan Lapsia Protect Children in ihrer Einschätzung nach dringendem Handlungsbedarf: „Die technologischen Weiterentwicklungen im Internet haben das Verhalten der Täter verändert. Das aktuelle gesetzliche Rahmenwerk ist vor diesem Hintergrund nicht mehr in der Lage, die Kinder vor sexuellem Missbrauch im Internet zu schützen“, meint Anna Katariina Ovaska, Rechtsexpertin von Protect Children.


Die Autorinnen der Studie (v.l.n.r.): Anna Katariina Ovaska, Tegan Insoll, Foto: Suojellaan Lapsia Protect Children

Auch für Nina Vaaranen-Valkonen, Geschäftsführerin von Protect Children, ist es höchste Zeit zu handeln: „(…) Wir müssen jetzt mit harten gesetzlichen Änderungen dagegen vorgehen, um die Sicherheit unserer Kinder zu gewährleisten.“

Zur selben Bewertung gelangt die Internet Watch Foundation aus Cambridge. Wie Suojellaan Lapsia Protect Children sieht auch die britische Organisation in international rechtlich verbindlichen, strengeren Altersverifikationen und technologischen Schutzmechanismen im Internet zwei notwendige Maßnahmen, um das Verbreiten von CSAM wie auch sexuellen Kindesmissbrauch über Cyber Grooming zu verhindern. 

Wann auf Seiten der Gesetzgebung gehandelt wird, bleibt abzuwarten. 

 

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